„Staatsschutz“ ist kein Film, den man zweimal guckt. Nicht weil der Film schlecht ist – ganz im Gegenteil – sondern weil es so ein unglaublich frustrierender und trauriger Film ist.
Der Film, des deutschen Regisseurs Faraz Shariat, hatte seine Premiere erst bei der Berlinale 2026, bevor er dann Ende August 2026 in den deutschen Kinos anlief.
Shariats Film dreht sich um die junge Staatsanwältin Seyo Kim, die sich in ihrem Job auch mit Straftaten rechter Gewalt beschäftigt. Dann aber wird sie selbst Opfer und Zielscheibe eines rassistisch motivierten Anschlags und stellt fest, dass ihr das Justiz-System nicht ausreichend weiterhilft oder Schutz bietet. Also beginnt sie in eigener Sache zu ermitteln und gräbt sich, wie die eigene Webseite des Films die Handlung beschreibt, tiefer „durch die Fehlbarkeiten ihrer eigenen Behörde und kämpft mit allen Mitteln für Gerechtigkeit – sowohl vor als auch außerhalb des Gerichts“.
Als Zuschauer*in stellt man sich die Frage, wie es wohl Opfern und Betroffenen ergeht, die nicht in Seyos Position sind und sich keinen Zugang zu wichtigen Informationen verschaffen können. Der Film selbst beantwortet eigentlich diese Frage. Denn da ist nicht nur Seyos Fall, sondern auch all die anderen Fälle politisch motivierter und rechtsextremer Gewalt und Straftaten. Wenn die Justiz eine Staatsanwältin nicht richtig schützt, scheint wenig Hoffnung für andere Fälle.
Immer wieder wird die deutsche Justiz intern im Film als „objektivster Apparat“ der Welt bezeichnet. Wie objektiv kann ein Justiz-Apparat jedoch sein, wenn er die Augen vor rechten und rechtsextremen Straftaten verschließt? Wenn er Rechtsextremismus und Täter schützt, statt zu einer lückenlosen Aufklärung, Gerechtigkeit und Schutz der Opfer beizutragen? Ein Frage, die sich auch in Bezug auf andere Straftatenbereiche stellen lässt.
Genau diese vermeintliche Objektivität wird in Shariats Film in Frage gestellt.
Gegen Ende hin zitiert Seyo dann aus dem Grundgesetz, woraufhin eine Frau ihr gegenüber sie zurechtweist, dass sie mit ihren „linken Parolen“ aufhören solle. Ihre Sitznachbarin erwidert, Seyo zitiere nur das Grundgesetz. Der Kinosaal lacht. Nach einem so frustrierenden Film liegt in dieser Szene eine eigene, makabere Komik. Aber eigentlich ist nichts an dieser Szene witzig oder komisch. Seit wann gilt das Grundgesetz als linke Parole, als linke Ideologie? Es ist das Fundament auf dem unsere Demokratie baut, es ist eine Art Versprechen für Gerechtigkeit, Freiheit, Demokratie und so vieles mehr.
Aber diese Szene zeigt in was für einer Welt, in was für einem Deutschland wir leben. In dem politische Verschiebungen sich durch alle Ebenen und gesellschaftlichen Bereiche ziehen.
Schauspielerin Chen Emilie Yan verkörpert Seyo unglaublich gut und überzeugend. Und auch sonst wirkt der Film zu echt, zu realitätsnah und zu aktuell. Er verknüpft auf erschreckend überzeugende Weise Fiktion mit Realität und lässt seine Zuschauer*innen frustriert, wütend und beklemmt zurück.
Also nein, Staatsschutz ist kein Film, den mal zweimal guckt. Aber es ist ein Film, den jeder wenigstens einmal gesehen haben sollte. Der seine Auszeichnung mit dem Panorama Publikums-Preis während der Berlinale ganz zurecht verdient. Und der aktueller und wichtiger ist denn je.
Ein Kommentar von Luise Sießbüttel
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