Pop-Kultur: Ein Festival so konstrastreich wie Berlin


Es war wieder soweit und das Pop-Kultur-Festival kehrte in die Hauptstadt zurück. Vor 11
Jahren gegründet, ist es für mich vor allem eines: ein Festival, bei dem man sich musikalisch
treiben lassen kann. Von Indie über Rap und R&B bis hin zu elektronischen Sounds ist im
Lineup eigentlich alles dabei und genau das liebe ich daran. Auch wenn ich in diesem Jahr
nur am Freitag in der Kulturbrauerei unterwegs war, ging es musikalisch einmal quer durch
verschiedene Welten.


Einen sehr schönen Start in den Abend lieferte Deer Anna, die gemeinsam mit ihrer Band
direkt für eine ordentliche Portion Nostalgie sorgte. Musikalisch hat mich ihr Sound ein
bisschen an Daughter und die Indie-Musik erinnert, mit der ich persönlich vor rund 15 Jahren
ins Genre gestolpert bin. Ihr Set war melancholisch, ruhig und irgendwie vertraut. Quasi ein
bisschen wie ein musikalischer Rückblick in die eigene Jugend für mich.
Danach wurde das Programm ein wenig lauter: Eddington Again lieferte in der Alten Kantine
eine Mischung aus Ami-Rap und R&B, kombiniert mit elektronischen Beats. Nicht zu
verwechseln mit Fred again. (zum Tanzen hat es trotzdem ziemlich gut funktioniert). Weiter
in Richtung Rap ging es anschließend mit Ramzey. Der Newcomer, der unter anderem
bereits mit Apsilon und OG Keemo zusammengearbeitet hat, war für mich eine der
spannenderen Entdeckungen des Abends. Dass man zwischen so vielen musikalischen
Welten hin und her switchen kann, ist für mich genau das, was das Festival ausmacht und
was ich sehr schätze. Das funktioniert auch deshalb so gut, weil die Kulturbrauerei als
Festivalgelände einiges hergibt. Zwischen den verschiedenen Indoor- und
Outdoor-Locations kann man jederzeit wechseln, ohne dass sich der Abend wie ein
klassischer Konzertmarathon anfühlt. Und auch die Security war – wie ich es dort bisher
immer erlebt habe – angenehm entspannt und freundlich.
Für einen weiteren Stilwechsel sorgte Saya Musa, die uns mit ihrem Auftritt im Frannz
Garten in eine ganz andere Welt entführte. Mystisch, atmosphärisch und irgendwie entrückt.
Sie lieferte ebenfalls noch einmal einen schönen Kontrast zu den vorherigen Acts. Zum
Abschluss ging es für mich ins Kesselhaus zu Jassin (siehe Foto). Ich freue mich immer über ein
bisschen sachsen-anhaltinische Präsenz, da ich selbst aus der Gegend komme und unsere
musikalische Landschaft neben Tokio Hotel bisher nicht viel zu bieten hatte. Jassin lieferte
eine starke Performance ab und hatte das Publikum schnell auf seiner Seite. Trotz
dreifachem Mikrofonwechsel kamen neben ein bisschen Spucke vor allem gute Töne raus.
Also stimmlich war der Auftritt wirklich stark. Dazu kamen persönliche, sehr nahbare Texte
und eine sehr angenehme Art, die mich überraschend gut abgeholt hat, obwohl ich selbst
eher wenig deutsche Musik höre. Die Crowd war ebenfalls textsicher und machte ordentlich
mit und die Stimmung im Saal war richtig gut.


Damit habe ich letztendlich zwar nur einen kleinen Teil des Festivals mitgenommen, aber
vielleicht zeigt gerade dieser eine Abend allein schon ganz gut, was Pop-Kultur ausmacht:
ein buntes Line-up, bei dem man nie genau weiß, in welche musikalische Welt man als
Nächstes stolpert. Ich empfehle allen, einmal beim Pop-Kultur Festival vorbei zu schauen,
wobei die Acts, die draußen spielen, sogar immer unter freiem Eintritt laufen und man kein
extra Bändchen braucht. Also, vielleicht sieht man sich ja 2027 in der Kulturbrauerei!